Freitag, 3. Juni 2016

Alter Pfau!

 "Mit zwanzig Jahren ist der Mensch ein Pfau,  mit dreißig ein Löwe,  mit vierzig ein Kamel, mit fünfzig eine Schlange, mit sechzig ein Hund,  mit siebzig ein Affe,  mit achtzig - nichts." - 
Baltasar Gracián y Morales (Handorakel und Kunst der Weltklugheit)


Was ist der Mensch zuvor? Und warum sollte der Mensch erst mit 20 Jahren wieder ein Pfau sein? Klingt das dann nicht meist schon ab. Die Pfauenzeit entspricht doch eher der Pupertät oder nicht? Bzw ist man in der Pupertät nicht irgendwie alles zugleich? Wieso kommen diese Assoziationen eigentlich alle aus dem Tierreich? Dummer Esel. Dumme Gans. Dumme Ziege. Warum sagt man nicht Dummer Mann anstatt Dummer Hund? Und dumme Frau anstatt dumme Kuh?


Was haben Tiere mit unserem Verhalten zu tun? Nichts. Rein gar nichts. Deshalb sind es ja Assoziationen. Störrischer Esel passt. Eitler Pfau auch. Aber Frechdachs zum Beispiel? Oder einfach nur dummes Tier? Hmm...


Ich finde diese Vergleiche nicht gelungen. Diffamierend für de Tiere. Dass ein Pfau ein Rad schlägt, um das Weibchen zu beeindrucken oder ein Esel auch mal stehen bleibt, einfach aus purer Sturheit (Das weiß man ja spätestens seit der Schuh des Manitu) ist selbsterklärend und passt natürlich wie die Faust aufs Auge, der Topf auf den Deckel. Wieder solche Beschreibungen. Warum reden wir nicht einmal Klartext? Hey du bist eitel, hey du sture (Name einsetzen), anstatt sturer Bock. Wieso sind wir immer so feige? Ich nehme mich hier nicht raus, ich bin nicht außen vor, ich rede auch gerne Drumherum und mal Hintenrum, anstatt immer Klartext ins Gesicht. Das heißt aber nicht, dass ich es nicht mache, wenn mich jemand um meine Meinung bittet. Nur habe ich oft das Gefühl, dass diese Meinung dann eigentlich so gar nicht gehört werden will. Man soll dem anderen oft das sagen, was er hören will. Wie gesagt? Ich nehme mich da nicht raus. Ich höre auch lieber ein Kompliment, als "negative" Kritik, die mir zum Positiven verhelfen soll. Kritik ist nie schön, egal ob sie konstuktiv oder verletzend ausgelegt wird. Man muss sie verarbeiten und anfangen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Etwas, was man nur ungern macht, weil dann Zweifel hervorgerufen werden, die man oftmals gerade erst beseitigt hat.


Ich bemerke dies gerade am Besten in meiner Tochter. Wir befinden uns gerade in der sogenannten Trotzphase. Testen also die Grenzen aus und entdecken so, wer wir sind, was wir mögen, was nicht. Erfahren dadurch aber auch eine Menge Kritik. Mal positiv ("Wow weiter so"), mal negativ ("Man schlägt nicht / Beißt nicht / ..."). Diese Kritik bezieht sie klarerweise auf sich. Und manchmal fällt es ihr schwer sie zu verarbeiten. Sie zieht sich dann zurück, denkt nach, teils weint sie dann, wenn man nochmals mit ihr darüber spricht. Man sieht, sie ist verletzt. Auch wenn man dies vielleicht nicht wollte, so bleibt da eben doch oft etwas zurück. Aber es macht stark. Und dass soll ihr auch dieser Pfau zeigen. Egal, ob Ablehnung oder Anerkennung. Du bist stark und wirst genau durch solche Situationen wachsen und immer mehr erkennen, wer du bist. Wo deine Stärken und Schwächen liegen, was du fördern sollst. Und ja, diese Kritik hört nie auf. Auch beim Alten Pfau nicht!

Herzlichst, eure Ephrata

Schnittmuster: Himmlische Ärmchen Anna GOES SUMMER von Himmelblau
Stoff: Rose Quartz von Lillestoff
Folie: Plottermarie

Kommentare:

  1. Genialer Plott! Nicht nur da ein Pfau soooo positiv besetzt ist, ruft dieses Shirt sehr positive Assoziationen hervor! Sehr gelungen : )
    GLG Uli, die sich freuen würde, wenn du dabei wärst....

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    1. Ich muss wirklich schauen. Aber ich schaffe das sicherlich. Ist ja "nur" ein Shirt. Und ich wäre froh, wenn das dann weitergeführt wird. Ich spreche zwar auch Französisch, aber Fachsimpeln bzgl dem Nähen... Das klappt nicht :D das wird jetzt geübt. Unter Anderem mit dir!

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  2. Liebe Ephrata,

    wahnsinn du nähst immer solch schönen Sachen für deine hübsche kleine Maus <3

    hab einen schönen Tag
    Rebecca

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    1. Hallo Rebecca,

      Vielen lieben Dank für das Kompliment. Ich hoffe, sie denkt in 15 Jahren auch so. Und nicht : Mama was hast du mir eigentlich damals angezogen? ;D

      Liebe Grüße! Ephrata

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