Dienstag, 10. November 2015

Kommt noch ein weiteres?

Ich kann die Frage nicht mehr hören, und deshalb schreibe ich darüber. Vielleicht kommt es bei den richtigen Menschen an, vielleicht wird mir die Frage dann nie wieder gestellt. Ich weiß es nicht. Ich stelle mir aber zurzeit die Frage, warum diese Frage mir gestellt wird.
"Also Sophie bleibt nicht alleine oder?". "Ein Geschwisterchen für Sophie wäre doch toll.", "wann kommt denn das Nächste?". 


Meine Antwort, ich habe keine. Wir haben es versucht. Es hat funktioniert, bzw. eigentlich nicht, denn bevor die Schwangerschaft begann, war sie schon wieder vorbei. Auch ist Sophie ja eigentlich schon das zweite. Im Endeffekt wäre es also die vierte Schwangerschaft und mir verging in letzter Zeit die Lust darauf. Nicht, weil Sophie besonders anstrengend wäre. Klar haben wir die schlimmen Phasen, welche wir doch immer wieder gut überstehen. Und klar, ist sie auch nicht besonders pflegeleicht. So wie es eben ist mit einem Kleinkind von zwei Jahren. Es wird geweint und im nächsten Moment gelacht. Man geht sich gegenseitig aufgrund von Verständigungsproblemen auf den Keks. Und ja, manche nennen das die Trotzphase. Aber nicht deshalb ist mir die Lust auf ein zweites vergangen. 


Es ist auch nicht so, als würde ich mich nicht darüber freuen. Aber es passt eben gerade nicht. Ich habe mich neu orientiert. Und warte auf Antworten, welche mein Leben in neue Bahnen leiten könnte. Ich habe mich auch gerade an die freien Morgen gewöhnt, an welchen ich mal meinem Leben nachgehen kann (Lernen, Nähen, Arbeit). Und so lange mein Leben wacklig ist, wird sich Sophie auch nicht über ein Geschwisterchen freuen. 

Jetzt kommen wieder diese Aussprüche: "Hab ich es dir doch gleich gesagt. Du hättest erstmal dich finden müssen". Nein, ich habe meine Rolle als Mutter gefunden. Durch mein Kind. Ohne Sophie wäre ich niemals zum Nähen gekommen, niemals zum Familienleben und so viel Liebe um mich herum. Ich bin glücklich, wenn es klappt mit dem Neustart (in alten Gewändern). Ich bin aber auch nicht unzufrieden. Und vielleicht kommt dann das Geschwisterchen. Aber bitte, wartet ab. 


Sophie bleibt nicht alleine. Sie hat uns. Die ganze Familie. Und die ist ziemlich groß. Sie hat zusätzliche Tanten und Opas und Omas, oder wie mein kleiner Bruder früher gesagt hätte "Halbverwandte". Sie hat Freunde in der Kita. Sie ist nicht alleine. Und das wird sie niemals sein. Geschwister hin oder her. Das Nächste kommt sicherlich irgendwann, wenn es von Gott gewollt ist. Ich wollte immer viele Kinder. Aber eben nur, wenn wir alle bereit dazu sind. 

Herzlichst, eure Ephrata

Schnittmuster: Pepe in 98 / 104 von Mialuna
Stoffe: Ringel und Submarine von Lillestoff 

Ab damit zum CreaDienstag, Ich-Näh-Bio, Meitlisache und Kiddikram. Und ganz was Neues, zu HOT

Kommentare:

  1. Liebe Ephrata,
    Dein Post hat mich eben sehr nachdenklich werden lassen. Über alles und jedes. Hat man nur ein Kind, kommt ständig die Frage nach dem Zweiten, hat man bereits ein Kind und erwartet das nächste, sagen die Leute, dass es nun ja hoffentlich mal ein Mädchen/ein Jung wird, je nachdem, was das erste Kind ist. Hat man schon zwei Kinder und erwartet ein Baby, sagen die Leute, wann denn die Familienplanung endlich mal abgeschlossen ist... Egal, wie man es macht, den anderen kann man es sowieso nicht recht machen. Man muss für sich die beste Lösung finden, für den einen ist es ein Kind (im Moment), für den anderen sind es sieben, acht oder noch mehr Kinder. Ich persönlich finde es schön, wenn Kinder Geschwister haben, insbesondere dann, wenn die Eltern mal nicht mehr da sind, denn dann ist das "Kind" dann aus seiner Familie ganz allein. Ich habe auch dienstlich schon oft mit Leuten zu tun gehabt, die es bedauert haben, keine Geschwister und auch keine Kinder zu haben, andererseits habe ich auch mit vielen Leuten zu tun gehabt, die sich gefreut haben, keine Geschwister zu haben. Ich denke, das Gesamtpaket macht es aus und das muss jede Familie für sich finden. Und wenn bei Euch die Zeit reif ist, dann wird es soweit sein und solange hat Sophie eben ihre "Familie" drumherum.
    Liebe Grüße Viola

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    1. Hallo Viola. Bei dir wird das sicherlich auch ein "Drama" gewesen sein: was nach so vielen Jahren? Ich habe drei Brüder. Ich schätze es sehr Geschwister zu haben. Wir haben es ja auch versucht, aber als es nicht funktionierte und sich eine neue Tür öffnete, haben wir beschlossen zu warten, was sich daraus ergibt. Nicht jedem muss Kinderreichtum vergönnt sein, und ich glaube, wie andere eben sagen "Schicksal", dass es von Gott gewollt ist oder nicht. Und bei uns war es bisher Sophie und in den nächsten Monaten sehen wir weiter. Aber bis dahin, möchte ich diese Fragen einfach nicht mehr hören. Weil die wenigsten davon wussten bisher, dass wir es versucht hatten. Und jetzt wird sowieso erstmal geheiratet, also die Familie "zusammengeführt". Danke für den lieben Kommentar und die nachdenklichen Worte. Drei Kinder ist ja sowieso nicht mehr normal. Naja was ist schon normal?!

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  2. Oh Man, ich sollte meine Kommentare gleich schreiben wenn ich lese, und nicht erst eine Woche später, dann muss ich nämlich erneut nachdenken was ich schreiben wollte und vergesse nicht die Hälfte.
    Ich kann Dich gut verstehen, dass die Fragerei nervt. Ich kenne das zu gut. Vor unserer ersten Tochter bekam ich diese Frage sooooo oft gestellt, das ich irgendwann aus Protest gesagt hat, solange noch irgendeiner fragt, bekomme ich sowieso keine Kinder. :-) Mittlerweile erwische ich mich häufig selbst, wie ich diese Frage anderen Eltern stelle. Denn wenn man ein Kind hat, kann man ja mal fragen wann das zweite kommt. Noch während ich die Frage stelle, oder manchmal sogar noch davor, entschuldige ich mich für die Frage die nun kommt, und stelle der Person frei zu antworten. Denn ich weiß dass die Frage nerven kann. Oder verletzen kann. Und das finde ich eigentlich noch viel schlimmer. Wissen wir fragenden denn überhaupt was schon alles unternommen wurde? Natürlich ist es nicht bei jedem so, aber trotzdem ist es bei einigen so...
    Also, lass Dich nicht stressen, ärgern oder entmutigen durch die Fragerei. Macht einfach Euer Ding. Das ist eh das einzig Richtige für Euch.
    Alles Liebe
    Bibi

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    1. Danke für deine Ehrlichkeit. Ja, die Frage kann nerven und bei mir ist es hauptsächlich verletzen. Also eher: wo bleibe ich? Warum fragt niemand, was willst du? Eher so eine Anforderung: bitte bekomme schnell ein Kind. Aber wir werden sehen. Ich habe einfach das Gefühl, es geht sicherlich nicht nur mir so und deshalb schreibe ich darüber. Das Recht auf freie Entscheidung. Bin ja keine Königin, welche unbedingt einen Jungen gebären muss und wegen mir alleine wird auch der demografische Wandel nicht vorangetrieben. Ich bin einfach Mutter und Frau. Und als Frau entscheide ich mich momentan gegen das zweite Kind. Eben wegen der Geschichte und auch der offenen Zukunft. Und dann sehen wir weiter - denn ich glaube daran, dass es noch mehr Kinder geben wird.

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