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Dienstag, 10. November 2015

Kommt noch ein weiteres?

Ich kann die Frage nicht mehr hören, und deshalb schreibe ich darüber. Vielleicht kommt es bei den richtigen Menschen an, vielleicht wird mir die Frage dann nie wieder gestellt. Ich weiß es nicht. Ich stelle mir aber zurzeit die Frage, warum diese Frage mir gestellt wird.
"Also Sophie bleibt nicht alleine oder?". "Ein Geschwisterchen für Sophie wäre doch toll.", "wann kommt denn das Nächste?". 


Meine Antwort, ich habe keine. Wir haben es versucht. Es hat funktioniert, bzw. eigentlich nicht, denn bevor die Schwangerschaft begann, war sie schon wieder vorbei. Auch ist Sophie ja eigentlich schon das zweite. Im Endeffekt wäre es also die vierte Schwangerschaft und mir verging in letzter Zeit die Lust darauf. Nicht, weil Sophie besonders anstrengend wäre. Klar haben wir die schlimmen Phasen, welche wir doch immer wieder gut überstehen. Und klar, ist sie auch nicht besonders pflegeleicht. So wie es eben ist mit einem Kleinkind von zwei Jahren. Es wird geweint und im nächsten Moment gelacht. Man geht sich gegenseitig aufgrund von Verständigungsproblemen auf den Keks. Und ja, manche nennen das die Trotzphase. Aber nicht deshalb ist mir die Lust auf ein zweites vergangen. 


Es ist auch nicht so, als würde ich mich nicht darüber freuen. Aber es passt eben gerade nicht. Ich habe mich neu orientiert. Und warte auf Antworten, welche mein Leben in neue Bahnen leiten könnte. Ich habe mich auch gerade an die freien Morgen gewöhnt, an welchen ich mal meinem Leben nachgehen kann (Lernen, Nähen, Arbeit). Und so lange mein Leben wacklig ist, wird sich Sophie auch nicht über ein Geschwisterchen freuen. 

Jetzt kommen wieder diese Aussprüche: "Hab ich es dir doch gleich gesagt. Du hättest erstmal dich finden müssen". Nein, ich habe meine Rolle als Mutter gefunden. Durch mein Kind. Ohne Sophie wäre ich niemals zum Nähen gekommen, niemals zum Familienleben und so viel Liebe um mich herum. Ich bin glücklich, wenn es klappt mit dem Neustart (in alten Gewändern). Ich bin aber auch nicht unzufrieden. Und vielleicht kommt dann das Geschwisterchen. Aber bitte, wartet ab. 


Sophie bleibt nicht alleine. Sie hat uns. Die ganze Familie. Und die ist ziemlich groß. Sie hat zusätzliche Tanten und Opas und Omas, oder wie mein kleiner Bruder früher gesagt hätte "Halbverwandte". Sie hat Freunde in der Kita. Sie ist nicht alleine. Und das wird sie niemals sein. Geschwister hin oder her. Das Nächste kommt sicherlich irgendwann, wenn es von Gott gewollt ist. Ich wollte immer viele Kinder. Aber eben nur, wenn wir alle bereit dazu sind. 

Herzlichst, eure Ephrata

Schnittmuster: Pepe in 98 / 104 von Mialuna
Stoffe: Ringel und Submarine von Lillestoff 

Ab damit zum CreaDienstag, Ich-Näh-Bio, Meitlisache und Kiddikram. Und ganz was Neues, zu HOT

Freitag, 9. Oktober 2015

Bereicherung!

Ich möchte mich heute noch einmal zu meinem derzeitigen Alltag äußern. Dieses Mal weniger besorgt, denn man muss diesen ganzen negativen Kommentaren, welche oftmals nur auf Einzelfällen beruhen, auch einfach was Positives entgegensetzen. Und so möchte ich euch von meinen bereichernden Erlebnissen mit Asylbewerbern berichten. Damit man vielleicht auch positive Einzelfälle nutzt, um sich daraus eine Meinung zu bilden. Nein, das ist nicht der Sinn. Ich möchte, dass man abwägt und nicht immer alles pauschalisiert. Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Es gibt so viele unterschiedliche Farbnuancen und man sollte jede einzeln betrachten, ohne sie aufgrund ihres Schimmerns zu verurteilen, bevor man sie kennengelernt hat. Warum haben wir verdammt nochmal alle so viel Angst vor dem Fremden, Unbekannten?



Wie viele bereits wissen arbeite ich in der Kleiderkammer unserer Stadt. Ehrenamtlich. Als eine von circa 95% Frauen. Ich kann nur beim Sortieren helfen, anders schaffe ich es zeitlich meist nicht. Ich habe es in den Semesterferien auch einmal geschafft, bei der Ausgabe zu helfen. Was mir emotional sehr nahe ging. Meistens bin ich nach dem Arbeiten körperlich am Ende (Hallo Muskelkater vom Kisten schleppen), an diesem Tag war ich es vor Allem psychisch. Vielleicht bin ich deshalb auch froh darüber nicht jedes Mal dabei sein zu können. Ich weiß es nicht. 

Beim Sortieren diesen Montag kam ich wieder in Kontakt mit einem Flüchtling. Ohne es direkt zu merken. Während des Arbeitens kam ein junger Mann in unseren Raum und wurde in die Arbeit "eingewiesen". Er sprach kaum Deutsch, aber Französisch. So konnte ich meine Sprachkenntnisse mal wieder auffrischen, und wir hatten einen regen Austausch. Ein wenig "Esperanto". Im Laufe des Gesprächs erzählte er mir, dass er ein Lehrer aus Algerien sei und auch Asyl hier suche. Er kann aber auch nur montags helfen, da er sonst noch in einem Altersheim aushelfe. Und er möchte es weiterhin. Es hat ihm Spaß bereitet und Freude, selbst tätig zu sein. Ich kann euch dieses Gefühl in mir nicht beschreiben. Aber ich bewundere diese Eigeninitiative trotz stetiger Barrieren. Und diese Hilfsbereitschaft, obwohl man selbst auch Hilfe brauchen kann. Ich glaube, er war einfach froh, wieder eine "Funktion" zu haben, und auch als Mensch gesehen zu werden. Ich freue mich auf jeden Fall wieder auf nächste Woche und weitere nette Plaudereien.


Des Weiteren habe ich einen Sprachschüler aus Syrien. Er ist 25 Jahre alt und Programmierer. Er spricht ein wenig Englisch und lernt eifrig Deutsch. Die positiven Erfahrungen, die ich in den wenigen Stunden, die ich mit ihm verbrachte, machen konnte, werde ich nun auch schildern. Unser erstes Lerntreffen wollten wir auf möglichst neutralem Boden stattfinden lassen und so zeigte ich ihm ein Café in unserer Stadt und wollte ihm zu einem Kaffee einladen. Im Gegensatz zu ihm machen mir zwei Euro wohl weniger aus, auch wenn ich als Studentin nicht die Vermögendste bin. Bevor ich allerdings bezahlen konnte, hatte er dies schon erledigt. Innerlich war ich ein wenig sauer, aber es freute mich doch sehr. Dass man Hilfe im Kleinen anerkennt. Wir haben uns in der letzten Woche dreimal gesehen. Und mittlerweile könnte man behaupten, dass wir sowas wie Geschwister sind. Der Altersunterschied ist nicht gravierend, wir reden über alles mögliche und er liebt die Minnie über alles. Als er sie das erste Mal gesehen hat, überfiel er sie mit Küssen und Worten. Die Kleine war vollkommen überfordert. Aber so etwas habe ich hier noch nie erlebt. Dass Kinder so geschätzt werden. Es fällt mir auch immer wieder bei unserer türkischen Nachbarin auf. Kinder sind hier eine absolute Bereicherung, sie sind wertvoll. Hier können wir so viel von anderen Völkern lernen. Auch als ich einmal ein Treffen absagen musste, weil unsere Kleine kränkelte, bot er mir an, uns sofort zum Doktor zu begleiten. Als ich Geburtstag hatte, wollte er mir direkt ein Geschenk mitbringen... Und er bezeichnet mich als seine Schwester. Vielleicht weil er seine zwei Schwestern und die Mutter verließ und vermisst und insgeheim auch wieder von der Faszination Familie träumt. Am Montag wird auch er in der Kleiderkammer helfen, ich werde ihn also darauf vorbereiten, indem ich ihm Kleidungsstücke auf Deutsch erkläre. Genauso unser Sortiersystem. Ich bin so froh, dass wir endlich weitere männliche Helfer haben. Gerade diese schweren Kartons schleppen war nicht immer einfach. Und so wie ich die Jungs kenne, werden sie die kleinen Mädels eh nix schleppen lassen. 


Ich weiß nicht, wie es innerlich in den Flüchtlingen aussieht. Ich will auch nicht spekulieren. Ich möchte nur positive Erfahrungen darlegen. Es sind Kleinigkeiten. Überall. Wir können mit Kleinigkeiten helfen. Sie bedanken sich mit Kleinigkeiten, helfen auch - und dass, obwohl sie es nicht müssen. Weil Asyl das Recht jedes Menschens darstellt. Ich möchte ohne Argumente den negativen Meinungen etwas entgegensetzen, ohne Fluchen und Beschimpfen. Und sagen, sie sind eine Bereicherung. Beziehungsweise sie können es sein, wenn man sich auf sie einlässt. Und weil es bereichernd ist schicke ich es zum Freutag.

Herzlichst, eure Ephrata

Schnittmuster: Mariella von Mialuna in Größe 98 / 104
Stoff: Candy Cat von Lillestoff

Den Schnitt habe ich diese Woche schon einmal gezeigt, und weil ich ihn so liebe hab ich ihn glatt zweimal genäht - das war aber noch nicht alles, das verspreche ich. Dieses Mal mit langen Bündchen. Jetzt muss die Kleine nur noch reinwachsen.

Ab damit zu KiddiKram, Meitlisache und Ich-näh-Bio.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Schlechtes Gewissen / Guten Gewissens.



Komische Überschrift. Aber sie passt einfach zu mir und meinem derzeitigen "Befinden". So langsam kehrt der Alltagtrubel zu uns zurück. Mein Mann ist voll und ganz in seinem Master angekommen, ich lese fleißig meinen Reader zu Soziologie neben den "5 Sprachen der Liebe" und die Tochter hält uns wie immer auf Trab. Wäre da nicht noch mehr. Montags Kleiderkammer, ansonsten fast täglich 2 Stunden Sprachunterricht, sew a smile und simplify your fabric. Nebenbei noch Weiteres koordinieren, mal hier, mal da einspringen und versuchen weiterzuhelfen. Und nein: ich beschwere mich nicht. Ich bin zufrieden.


Allerdings erklärt das, dass mein Blog ein wenig in den Hintergrund rückt und ich kaum noch Kleidung für uns produziere. Aber meine Maschine braucht auch mal kurze Pausen vom Mützen- und Taschennähen. Ja wirklich. Ich finde es zwar toll. Ich fühle mich fast schon wie eine Massenproduktion. Wobei die Druckstellen vom Zuschneiden nicht gerade angenehm sind, die ganzen Fäden in der Wohnung ständig aufgesaugt werden müssen usw. Aber manchmal komme ich mir auch etwas doof vor. Ständig der gleiche Schritt. Und so hieß es: Abwechslung!
Meine Kleine braucht auch mal wieder was. Ich kann nicht ständig für andere Kinder nähen, sie möchte es gerne haben und zieht es aus den Kartons heraus, wofür sie dann fast noch sowas wie Ärger kriegt. Ich darf nicht meine eigene Familie in den Hintergrund stellen, und ich will es auch nicht. Das ist nicht Sinn der Sache. 


Und so bekam meine Kleine endlich auch eine Mariella. Ich liebe Mariella. Und ich liebe es, wenn ich der Minnie die Oberteile nicht über den Kopf ziehen muss, sodass sie jederzeit losbrüllen könnte. Deshalb: Mariella. 


Ich habe beschlossen es hier auf meinem Blog wirklich ruhiger angehen zu lassen. Ich schreibe zurzeit nicht die Texte, auf welche mein Blog ausgerichtet ist. Ich schreibe zurzeit chaotisch und nehme die Kamera nun einfach auf den alltäglichen Spaziergängen mit. Ich habe beschlossen, höchstens drei Posts pro Woche zu schreiben. Vielleicht auch mal weniger. Ohne Stress, ohne schlechtes Gewissen. Denn Zeit ist das Wichtigste, was ich meinem "normalen Leben" schenken kann:  Meiner Familie, meinen Freunden und auch Flüchtlingen. 


Herzlichst, eure Ephrata 

Schnittmuster: Mariella von Mialuna in Größe 98/104
Stoff: Woodland Party von Lillestoff 

Donnerstag, 30. Juli 2015

Eltern 60+. Biologisch okay? Nachgeholfen nicht?

Am Wochenende stöberte ich wieder auf den bekannten Online Nachrichtenmagazinen. Neben der absolut unspannenden WM Qualifikation Auslosung blieb ich bei einer Kolumne von Sybille Berg hängen. Der Artikel lautete "Alte Väter: Fortpflanzen, unbedingt!". Ich öffnete ihn also unbedarft, und mir strahlte Jan Hofer (ARD Tagesschau / Tagesthema und mittlerweile auch in vielen weiteren Sendungen) entgegen. Okay, um so alt kann es also nicht gehen. Dachte ich. Bis ich irgendwann las "Jan Hofer, zum Beispiel, bekommt mit 60 plus ein Kind". 


Ich erzählte es sowohl meinem Mann, als auch unserem Freund, bei welchem wir zu Besuch waren, welcher selbst auf die 60 zugeht. Dann dachte ich an meine Mama, welche noch, bevor sie die um die 49 erreichte, eine Großmutter wurde. Und dann an die Dame, welche überall in den Medien die Aufmerksamkeit auf sich zog, weil sie mit 64 Jahren Vierlinge gebar. Eigentlich wollte ich nie über das Thema schreiben. Weil ich persönlich die Frau nicht verurteilen wollte, und sie nicht kannte. Und jetzt tue ich es doch. Um mich ein wenig auf ihre Seite zu schlagen. Oder auch um mich vielleicht selbst davon ein wenig zu überzeugen, dass man auch mit 60+ noch Kinder großziehen kann. Wenn ich unsere Großeltern anschaue, alle zwischen 70 und 80 Jahre alt, dann verstehe ich es nicht. Und erst recht nicht, weil ich schon 40+ ein hohes Alter für die Kindererziehung empfinde. 

Frau Berg nimmt Jan Hofer in Schutz. Sie erklärt kurze Kritikpunkte, welchen alte Väter ausgesetzt sind / werden. Das Argument, dass es für die Kinder peinlich sein könnte, wenn sie von der Schule abgeholt werden (und jeder den Vater für den Opa hält). Dann, dass es erhebliche Risiken birgt (da man ja mit 65 sterben kann, gesundheitlich nicht mehr der Fitteste ist), und die Frage, ob man überhaupt die Anstrengung verkraftet. Ihr Fazit lautet strikt: "Vermehrt euch. Auch im Alter. Wer bis 67 arbeiten kann, kann auch Kinder bekommen. Macht was ihr wollt". 


Warum hieß es dies dann nicht bei der Dame? Weil es eine Befruchtung war? Weil sie schon 13 Kinder hatte und bereits Oma war? Weil es rechtlich in Deutschland nicht legal gewesen wäre? Weil die Geburt für sie ein größeres Risiko birgt, als für einen Mann? (Denn eigentlich könnte jede Mutter / jeder Vater nach einem Jahr, oder auch fünf, mit Kind sterben. Oder direkt bei der Geburt). 

Ich habe mir noch keine abschließende Meinung bilden können. Das liegt wohl auch daran, dass ich diese Väter in einem gewissen Alter (wie eben Jan Hofer, oder eventuell auch George Clooney irgendwann) total sympathisch finde und auch jünger einschätze, als sie sind. Und dass es eben auch einen Grund gibt, warum es bei Männern biologisch möglich ist, und bei Frauen nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keinen "alten" Vater in meinem Umfeld kenne. Ich weiß es nicht. Trotzdem war auch ich nicht begeistert, von der alten Dame zu lesen, weil ich nicht überzeugt bin von der künstlichen Befruchtung. Ich glaube einfach, dass man Kinder bekommen soll oder nicht. Dass dies irgendwie gewollt ist und "Schicksal". Aber vielleicht möchte mich jemand eines Besseren belehren?  


Aber als ich unseren Freund fragte, ob er es sich vorstellen könnte, jetzt ein Kind zu bekommen, meinte er: "Nein. Ich und Kind, welches jünger ist als mein Enkelkind? Und mit den normalen Alterserscheinungen (plötzliches Einschlafen, Vergessen, etc.). Eher nicht."

Wie steht ihr dazu? Vielleicht könntet ihr mir bei meinem Meinung bilden helfen. Oder braucht man überhaupt immer eine abgeschlossene Meinung und betrachtet jeden Fall individuell? Ja. Am Besten. 



Herzlichst, eure Ephi

Schnittmuster: Lady Mariella von Mialuna
Stoff: Birdie Love von Lillestoff 

Quelle: "Alte Väter: Fortpflanzen, unbedingt!" von der Kolumnistin Sybille Berg auf Spiegel.Online, Zugriff am 25.07.2015 

Ab damit zu Rums.

Dienstag, 21. Juli 2015

Andere Länder, andere Familienpolitik #1: [Frankreich-Deutschland: ein Vergleich]


Auf Stern.de gibt es eine Artikelserie, welche sich mit auswandernden Familien und ihren Erlebnissen beschäftigt und auch auf Spiegel Online bloggt alle paar Wochen eine junge Familie, welche durch die Welt reist, in ferne Länder und von dort berichtet. Auch wir kennen einige Familien, welche ihre Kinder zum Beispiel nach Frankreich oder Papua Neuguinea mitnehmen, welche wir sehr bewundern (vor allem natürlich die sechsköpfige Papua-Neuguinea "Mannschaft"). Denn dort müssen sich Eltern und Kindern auf ganz andere Systeme einstellen. Sowohl die Frage, wie geht der Staat mit Kindern und Familie um? Und wie die Gesellschaft. Ich habe geplant, einige Bekannte von uns oder aus dem Web danach zu befragen, wie es dort politisch / gesellschaftlich / ökonomisch / persönlich für Familien aussieht, aber bis die ersten Gespräche auf dem Blog eintrudeln, werde ich den Bericht von Stern.de adaptieren. 



"Vier Personen, vier Sprachen: Wenn Susann Salzbrenner sich mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern unterhält, erklingt eine Mischung aus Deutsch, Portugiesisch, Französisch und Englisch. Sie selbst ist Deutsche, ihr Mann Brasilianer, die Kinder sind zwar in Kopenhagen geboren, wachsen aber nun in Frankreich auf." - Deshalb befragte Stern.de die Familie nach Unterschieden zwischen Frankreich und Deutschland. 

Zu meiner Verwunderung findet Salzbrenner "Deutschland kinderfreundlicher" als die grande nation. Und auch die Mutterrolle beziehungsweise die Frauenrolle variiert zwischen den beiden Ländern erheblich. Ich werde dies im Folgenden punktuell abarbeiten, damit der Beitrag nicht zu lange wird und weil ich hier bald ein weiteres Gespräch zur Thematik "Frankreich und Kinder / Eltern" veröffentlichen werde. 

(1) im Bezug auf (öffentliche) Einrichtungen sieht Salzbrenner Deutschland als fortschrittlicher / kinderfreundlicher an als Frankreich. Dies umfasst Hochstühle, Stillmöglichkeiten, Spielplätze, Wickeltische, etc. 
(2) in Frankreich gibt es nur drei Monate Mutterschutz, danach geht es zurück in die Vollzeitstelle
(3) die öffentliche Kinderbetreuung in Frankreich ist ab dem dritten Jahr kostenlos (ab der École Maternelle) 
(4) die Mutterrolle in Frankreich setzt die Prioritäten beim Frausein, dann Mutter. In Deutschland ist man ihrer Meinung nach immer erst Mutter. 
(5) die Kinderbetreuung ist nach den drei Monaten Mutterschutz in verschiedenen Formen (Kindergarten, Tagesmutter, Einzelbetreuung) gewährleistet. Es gibt aber im Vergleich zu Deutschland keine auf das Kind abgestimmte Eingewöhnung, lediglich einen Tag, an welchem man dem Kind alles zeigt.
(6) Eltern in Frankreich sind streng und geben kurze Anweisungen. Kinder werden nicht wie kleine Könige behandelt, die Eltern geben den Ton an. 
(7) französische Eltern sehen den Staat in der Pflicht, bei der Kindererziehung zu helfen. Der Beruf wird weniger aufgegeben als deutsche Mütter dies handhaben. 
(8) während der Schwangerschaft, rauchen und trinken die Frauen auch mal Alkohol
(9) in Frankreich wird weniger öffentlich und voll gestillt (dies liegt auch an der Vollzeitstelle). Wenn eine Frau dies macht erntet sie gerne auch mal kritische Blick. 

Zusammenfassend meint Salzbrenner,  dass "sich vielleicht viele Deutsche auch gar nicht über den Luxus an Möglichkeiten für das Elternsein bewusst, den sie in Deutschland haben und den es in anderen Ländern nicht gibt". Wie seht ihr das? Da ich mehrere und andere Ansichten von Frankreich auch kenne, werde ich dieses Mal nicht gleich ein Fazit ziehen - denn es ist die Meinung einer ausgewanderten Frau. 


Herzlichst, eure Ephi

Schnittmuster: Lady Mariella von Mialuna
Stoff: Ringeljersey moos / oliv von Lillestoff

Quelle: "Wenn Familien auswandern: Was wir von französischen Eltern lernen können" von Viktoria Meinholz auf Stern.de, Zugriff am 20.07.2015 (Siehe hier!)

Ab damit zu CreaDienstag
PS: Gerade eben wurde das Betreuungsgeld gekippt, meine Meinung dazu werdet ihr sicherlich noch diese Woche lesen!

Montag, 20. Juli 2015

Tischlein deck dich mit hitzigen Diskussionen, ganz viel Liebe und Geschwistern.

Am Freitag war für mich wirklich ein FREUTAG, denn nach einigen, für mich schon fast zu vielen, Wochen sah ich endlich meinen größten Bruder wieder. Hätte man mir vor fünf Jahren gesagt, dass ich mich über so etwas freuen würde, hätte ich wahrscheinlich den Finger an die Stirn gehoben und die Plem-Plem-Bewegung ausgeübt und wenn ich mich mit meiner Mutter über solche Geschichten austausche, erzählt sie immer wieder von ihrer Sorge, dass wir uns wohl nie lieb haben würden (als Beispiel zieht sie hier gerne ein Plakat heran, auf welchem mein Bruder eine Liste mit "Was ich mag", "Was ich nicht mag" skizzieren sollte. Ratet mal, auf welcher Seite "meine kleine Schwester" stand).


Weit gefehlt!

Ich habe drei Brüder, bin ein Sandwichkind und bei uns prallen Welten aufeinander - von der politischen Links-(Nicht NPD oder neuerdings AFD oder seit gestern ALFA)-)Rechts-Skala, von dem tieffundierten Glauben bis überzeugtem Atheist, von handwerklich begabt bis eher geistig veranlagt, von eher Rock zu eher Pop, von ruhig zu laut, von Cannabis und Homosexualität und alles soll frei gelebt werden bis eher Moral und Werte Predigern. Bei uns knallte es also schon immer und das wird wohl auch bis an unser Lebensende so bleiben. Und irgendwie gehört das eben zu uns. Und ist das, was uns als Geschwister ausmacht: Konflikte und Diskussionen bis zum Abwinken.

Dieses Mal habe ich mich darauf vorbereitet. Gerade am Sonntag, als wir dann (fast) alle wieder an einem Tisch saßen, war das Tischlein ähnlich reich gedeckt (Tiramisu à la Ephi), wie die Reichweite unserer Gedanken- und Themensprünge. Und das Tischlein war lange gedeckt. Damit wir mal wieder Zeit füreinander hatten. So wie wir früher jeden Tag miteinander verbrachten. Tage, die wir weniger schätzten und miteinander wohl umso mehr zu würdigen wissen. Was wäre ich wohl ohne euch?

Herzlichst, euer Schwesterherz!


Schnittmuster: Lady Mariella von Mialuna in Größe 36 (Passt optimal. Ich liebe es!)
Stoff: Purple Jungle von Lillestoff

Donnerstag, 16. Juli 2015

Am Rockzipfel hängen. Ah Nein. Doch nur ein Top!


Gestern spät Nacht habe ich eifrig nach Inspiration für einen neuen Beitrag gesucht. Dank Griechenland und den Iran-Verhandlungen fiel es mir recht schwer und auch die Blogger- und SocialMedia-Landschaft wollte ich nicht mit einem weiteren Beitrag zum Bravothema belästigen, leider konnte diese mich auch nicht inspirieren. Da ich es aber nicht wirklich vorteilhaft finde, einen Beitrag ohne meinen Senf zu veröffentlichen war ich umso fröhlicher, als ich auf der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über eine Initiative gefunden habe. Die Süddeutsche passt vielleicht auch ganz gut zu mir, zwar komme ich nicht aus Bayern und bin folglich keine CSU-Wählerin, aber wie man vielleicht schon bemerkt hat, bin ich doch noch etwas hinterwäldlerisch und finde Mama und Kind gehören zusammen. Gerne auch erst einmal 100% zuhause. Und das sage ich als Studentin der Feminismus-und-wir-sagen-alle-unsere-Meinung-Generation, die freiheitsliebend und gegen jegliche Unterdrückung / Diskriminierung hashtagt und aufschreit, sich dafür gerne auszieht oder eine Petition ins Leben ruft. Nein, wir sind nicht alle so, da dies natürlich populistisch und übertrieben dargestellt worden ist. Nicht, dass mich jemand falsch versteht. 


Also Mama und Kind gehören zusammen, meiner Meinung nach - zumindest am Anfang, bis die Kleinen sich selbst lösen beziehungsweise selbstständiger werden. Gerne natürlich auch Papa und Kind. Als ich den Bericht las, war ich ein wenig traurig, dass es diese Initiative des Eltern-Kind-Büros nicht auch für mich gab, ich hatte lediglich die Entscheidung zwischen Kita: ja oder nein und wenn ja, wie viele Stunden? Familiensharing kam für mich nicht in Frage, beziehungsweise schon, aber wenn ja mit welcher Familie? Deshalb gab es anfangs nur Krabbelgruppen und Sporttreffs und ab 18 Monaten eben doch die Kita, mit der minimalsten Stundenanzahl. In München haben sie das Projekt Rockzipfel ins Leben gerufen - ein Eltern-Kind-Büro: "Was aussieht, wie eine ganz normale Krabbelgruppe, ist mehr. Der Unterschied wird klar, wenn man ins Nebenzimmer geht. Dort stehen vier offene Laptops, zwei sind von arbeitenden Frauen besetzt, die sich von der Geräuschkulisse nicht stören lassen. Jeden Montag öffnet hier "Rockzipfel", das einzige offizielle Mutter-Kind-Büro der Stadt.

Ganz simpel also: zwei Räume, einmal: Kinder und Mütter, zweitens: Mütter, welche arbeiten. Essen wird von einer Mutter gekocht.



Was mich sehr angesprochen hat war der Erziehungsstil der Mütter - nein, nicht das Montessori-Spielprogramm, welches die Mütter jeden Tag für ihre Kinder planen - wenn man auch noch Programmpunkte plant, wie kommt man denn dann zur Arbeit frage ich mich? Sondern:

1. Dass die Mütter nicht unbedingt arbeiten müssen, sondern auch andere Dinge erledigen können (Nicht: Sich vom Treff verabschieden, da Verletzung der Aufsichtspflicht) und
2. Das ""Attachment Parenting" und "Continuum Concept". Bei beiden Erziehungskonzepten geht man davon aus, dass ein Kind ständig engen körperlichen Kontakt zu einem Elternteil oder einer anderen festen Bezugsperson braucht. Die Kinder werden nach Bedarf und so lange gestillt, bis das Kind selbst aufhört. Sie schlafen im Bett der Eltern, bis sie freiwillig ausziehen." (Ich wusste gar nicht, dass wir bisher auch diesen Erziehungsstil pflegten.) - dieser Erziehungsstil wird aber nicht als zwingend angefordert!

""Rockzipfel" ist trotzdem nicht für alle Eltern geeignet, erklärt Yvonne Berl: "Für Eltern, die pro Woche eine feste Stundenzahl arbeiten müssen, ist das nicht das richtige Konzept. Durchschnittlich kommen die Eltern auf zwei bis vier Stunden, in denen sie arbeiten können" Aber immerhin zwei bis vier Stunden. Ich hatte manchmal Tage an denen ich zu nichts kam, anfangs sogar mal fast fünf Monate am Stück. Und ich weiß noch genau, wie ich kurz vor meiner Prüfung stand und innerlich zerbrach, weil meine Kleine, ein wenig erkältet, Mamazeit wollte und mein Studium auch Zeit beanspruchte. Die, die ich anfangs nicht widmen konnte und sich am Ende stapelte. Geschafft hatte ich es trotzdem, aber danach war für mich klar, so geht das leider nicht weiter. Auch eine Mutter aus dem Rockzipfel "hat die Erfahrung gemacht, dass sie zu gar nichts kommt, wenn sie zu Hause arbeiten will, während ihr Kind wach ist." 


Für mich wäre diese Initiative geeignet gewesen. Obwohl sie nur zweimal die Woche ist. Für Kinder ist es sicherlich auch schön, wenn sie mit anderen Kindern spielen können. Sozialisierung würden das manche wohl nennen. Sozialisierung, die man anscheinend nur so erfährt. Bisher gibt es dieses Projekt übrigens nicht nur in München, sondern auch in anderen Großstädten wie Leipzig und München. Ich würde mir wünschen, dass es weitere engagierte Mütter / Väter gibt, welche dieses Projekt vorantreiben - obwohl es nicht für alle geeignet ist, denn nicht jeder kann die Arbeit aufs Home Office verlegen. Jetzt hole ich mir noch schnell einen weiteren Kaffee und mache Home Office, während die Kleine in der Kita ist (Schnief)...


Schnittmuster: Lady Topas in Größe S von Mialuna
Stoff: Steingrauer Jersey von Lillestoff

Heute zeige ich euch mal wieder eine Lady Topas, die ich mittlerweile recht schnell nähen kann. Am Anfang wusste ich gar nicht so recht, wie das alles funktionieren soll, aber langsam habe ich den Dreh raus. Dieses Mal also ganz schlicht. Heute ist ein absoluter Bad Hair Day, also kopflos. Ab damit zu RUMS.

Quelle: "Co-Working-Büro Rockzipfel - Mama arbeitet nebenan" von Christina Waechter auf Süddeutsche Zeitung.de, Zugriff am 16.07.2015 (Siehe hier!)


Dienstag, 23. Juni 2015

Keine Hunde. Keine Kinder und der fehlende Respekt.

Als ich diesen Beitrag (Siehe hier!), den mir mein Mann zusendete, öffnete war ich um es mal freundlich auszudrücken: schockiert. Ein Bild strahlte mir entgegen: ein Zaun mit einem Schild darauf. Auf dem weißen Schild in roter Schrift: Ruhebereich. Keine Kinder. Keine Hunde. Aber seht selbst. 

Doch dann las ich den Artikel und versuchte das Motiv des Standbar-Besitzers herauszufinden. Was heißt herausfinden. Er erklärt, warum er für so entschieden hatte. 

"Naja, es gibt immer mehr Eltern, die sich einfach nicht um ihre Kinder kümmern. Oft lassen die Eltern ihre Kinder einfach völlig unbeaufsichtigt. Dann rennen die zum Beispiel zum Parkplatz runter und niemand passt auf. Das bin ich leid."


Er selbst hat drei Kinder und findet es verwunderlich, "dass man sich einfach nicht um (seine) Kinder kümmert. Letztens stand ein Kind bei (ihm) mitten in der Küche. Neben der heißen Fritteuse. (Er) habe (sich) von dem Kind zu seiner Mutter führen lassen und alles, was die Mutter sagte, war: "Naja, ich muss ja auch mal in Ruhe essen." (Er) möchte es mal so sagen: Zehn bis 20 Prozent der heutigen Eltern kotzen (ihn) extremst an."

Er findet es auch nicht schlimm, dass Kinder spielen möchten. Kennt er es als dreifacher Vater doch nicht anders. Nur Verständnis für Eltern, "die ihr(e) Kind(er) nicht in die Schranke weisen" hat er nicht.
Er erklärt dies anhand von Beispielen, wie "dass Kinder auf Tischen Matschburgen bauen" und er dann sobald er Eltern darauf hinweist pampig angesprochen wird, was dies soll. Insgeheim ärgert er sich eigentlich dafür, dass der gegenseitige Respekt in unserer Gesellschaft fehlt, stattdessen Arroganz, Ignoranz und Egoismus vorherrschen. Sowohl von Kinderlosen als auch Personen mit Kindern. 


"Aber wenn man friedlich zusammenleben möchte, braucht es nun mal gegenseitigen Respekt."

Fazit: Zuerst dachte ich ojemine, wieder so ein Geschäftsführer, den die Kinder stören. Aber ehrlich gesagt, wenn man den Beitrag liest und seiner Argumentation folgt, nickt man manchmal im Stillen. Ja Recht hast du. Auch mich stören andere Kinder / Eltern manchmal. Bestimmt stören auch wir hin und wieder mal. Aber immer diese Ruheoasen erwarten? An einer Strandbar finde ich das tagsüber etwas zu viel erwartet. Am Strand gehören Kinder eben doch dazu. Und wenn diese Methode Schule macht, werden wir Eltern es uns selbst nur noch schwerer machen. Und sind 10-20% der Eltern wirklich ausschlaggebend für solche Entscheidungen? Was ist mit den anderen 80-90%? Müssen diese deshalb verzichten? 

Herzlichst, eure Ephi


Schnittmuster: Topas in Größe 86 / 92 in der Kleidversion von Mialuna, ein Freebook (Gefunden hier!)
Stoffe: Fruity und lila Sommerjersey von Lillestoff (Gefunden hier!)

Wie jeden Morgen habe ich es nicht geschafft, meiner Kleinen das Kleid überzustülpen. Deshalb folgen die Fotos heute Mittag. Das Kleid war eigentlich schnell genäht, allerdings habe ich vergessen nach dem raffen die Fadenspannung wieder umzustellen - nicht gerade intelligent. Trotzdem ist es ausgehfähig. Erst dachte ich, dass ich den Halsausschnitt niemals schaffe, aber dann habe ich das Video von Mialuna angeschaut und so schwer war es dann doch nicht!



Quelle: "Kinder-Verbot in Düsseldorfer Biergarten: 10-20% der heutigen Eltern kotzen mich extremst an" 
von Martin Zips auf Süddeutsche.de. Zugriff am 22. Juni 2015 (Siehe hier!)